Monatsarchiv für Mai 2009

Offener Brief an Josef Ackermann – 27.05.2009 – 2


Außerordentliches Risiko birgt außerordentliche Gefahren
Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, hat die gestrige Hauptversammlung der Aktionäre zum Anlass genommen, sein umstrittenes Renditeziel von 25 % zu bekräftigen.
Ernst Rudolf, Inhaber und Geschäftsführer der Rudolf Wirtschaftsberatung, stellt den Sinn dieses Zieles mehr als in Frage und antwortet darauf in einem offenen Brief, dessen zweiten Teil Sie hier lesen können.

Lieber Herr Ackermann, wir haben Sie durchschaut!

Sie sind Akteur in einer Finanzmaschinerie, die unser weltweites Finanzsystem fast zum Einsturz gebracht hat.
Sie haben vielleicht nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, aber auch Sie haben Fehler gemacht!
Ich unterstelle Ihnen, dass Sie die Entwicklung, wie sie heute eingetreten ist, nicht vorhergesehen haben, geschweige denn, dass Sie gewollt hätten, dass dies alles so kommt.

Sie sind, wie viele Ihrer Kollegen, in einem Finanzsystem groß geworden, in dem es irgendwann keine Grenzen mehr gab – erst recht keine Verdienstgrenzen.
Die besten Köpfe eines Landes wurden Investment-Bänker. Man war die Elite. Man stand ganz oben, auf einer Höhe mit Größen der Politik.
Da kann man zusammen mit dem vielen Geld schon größenwahnsinnig werden, nicht wahr?

Meine Bitte an Sie, lieber Herr Ackermann, werden Sie nicht größenwahnsinnig!

Wir brauchen jetzt an der Spitze der Deutschen Bank einen Menschen, der
– Fehler zugibt,
– Kontrolle zulässt,
– die ganze Wahrheit ans Licht bringt und nicht nur das, was nicht mehr zu verheimlichen ist.

Dieser neue Chef der Deutschen Bank sollte in jedem Kunden und Partner einen Menschen sehen, mit dem man offen und ehrlich Geschäfte macht.
Nur so kann in der Zukunft eine vertrauensvolle Zusammenarbeit wieder hergestellt werden.

Lieber Herr Ackermann, wenn Sie dieser neue Chef der Deutschen Bank sein wollen oder gar schon sind, dann, aber auch nur dann, bin ich bereit, Sie weitere vier Jahre an der Spitze der Deutschen Bank zu akzeptieren.

Geduld hat jedoch Grenzen – und nicht nur meine. Die Kunden und Geschäftspartner der Deutschen Bank verfügen durchaus über eine Art Wahlzettel – zum Wählen, aber auch zum Abwählen –, mit dem sie entscheiden, wo und wie sie ihre Gelder platzieren.
Und Sie wissen sicherlich so gut wie ich: Ohne Geld, das ihr im Vertrauen gegeben wird, hört jede Bank auf zu existieren.

Freundliche Grüße,
Ihr Ernst Rudolf

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admin am 27. Mai 2009 in Aktuelles

Offener Brief an Josef Ackermann – 27.05.2009 – 1


Außerordentliches Risiko birgt außerordentliche Gefahren
Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, hat die gestrige Hauptversammlung der Aktionäre zum Anlass genommen, sein umstrittenes Renditeziel von 25 % zu bekräftigen.
Ernst Rudolf, Inhaber und Geschäftsführer der Rudolf Wirtschaftsberatung, stellt den Sinn dieses Zieles mehr als in Frage und antwortet darauf in einem offenen Brief.

Lieber Herr Ackermann,

während man nach dem großen Crash in Bänkerkreisen so etwas wie Zurückhaltung mit Ansätzen zur Demut spüren kann, hauen Sie – noch mitten in der Krise – wieder mächtig auf die Pauke: 25 % Eigenkapitalrendite sind Ziel Ihrer Deutschen Bank.

Viele Menschen spüren: Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen! Eben noch wurden wir mit dieser Art und Weise fast gegen die Wand gefahren und nun wird man den Eindruck nicht los, als habe der wichtigste Bank-Chef der Republik daraus überhaupt nichts gelernt.

Und tatsächlich, lieber Herr Ackermann, wenn Sie in der Öffentlichkeit so tun, als seien die 25 % ohne Schwierigkeiten zu erreichen, dann habe ich das Gefühl, als wollten Sie uns alle für dumm verkaufen.

Dabei wissen die Menschen mittlerweile – und Sie erst recht! –, dass man 25 % Ertrag nur auf eine Art und Weise erzielen kann: mit außerordentlichem Risiko.
Eben jenem Risiko, das die große Wahrscheinlichkeit des Scheiterns in sich trägt. Wohin uns die risikoreichen Geschäfte der Banken gebracht haben, spüren wir zurzeit jeden Tag deutlicher.

Und nun behaupten Sie, Sie hätten das Risiko im Griff, mit dem alleine Sie Ihr Ziel von 25 % Eigenkapitalrendite erreichen können? Ich glaube, das kauft Ihnen niemand mehr ab.

Zugegeben, die Deutsche Bank steht im Vergleich zu anderen Instituten noch gut da. Aber Sie hatten in erster Linie Dusel, dass Sie noch nicht pleite sind, richtig? Oder stimmt es etwa nicht, dass Ihre Bank vom amerikanischen Steuerzahler gerettet wurde, durch den Umstand, dass der weltgrößte Versicherer AIG – der längst gänzlich pleite ist – Ihnen noch im Dezember vergangenen Jahres 12 Milliarden US-Dollar überweisen musste?

Sie können sich also bei Ihrem Freund, dem ehemaligen Goldman Sachs-Chef, bedanken, der mit der Rettung von AIG in erster Linie seinen eigenen Laden auf die sichere Seite bringen wollte.

Würden Sie die Risiken weiter eingehen und die Zockermentalität an den Tag legen, die für exorbitante Erträge notwendig sind, handelten Sie verantwortungslos. Gehen Sie aber in Sack und Asche mit dem Bekenntnis, von nun an nur noch solide und defensiv zu wirtschaften, mögen Sie uns erklären, wie Sie die 25 % erreichen wollen!

Es gibt natürlich eine Möglichkeit: Das Ausnutzen unwissender und unerfahrener Kunden wie Lisa Müller und Herbert Maier.
Ist das Ihre Absicht? Tut das die Deutsche Bank bereits? Oder ist das etwa schon seit Jahren gängige Praxis?

Eine weitere „Idee“: Bitten Sie einfach größere Kunden und Geschäftspartner zur Kasse, also Unternehmen vom Mittelstand bis zum Konzern.
Tatsächlich führt die durch Sie und Ihre Bänkerkollegen verursachte Finanzkrise bei vielen Unternehmen zu erheblichen Umsatzeinbußen und damit finanziellen Schwierigkeiten. Sie sind nun auf Banken als Kreditgeber angewiesen.

Diese Notlage nutzen viele Banken aktuell schamlos aus, indem sie den Unternehmen unverhältnismäßig hohe Kosten aufs Auge drücken und Gebühren förmlich abpressen.

Machen Sie und die Deutsche Bank das genauso, um 25 % Rendite überhaupt erreichen zu können? Profitieren Sie ohne mit der Wimper zu zucken von der durch Sie hervorgerufenen Malaise und bezeichnen dieses Ergebnis dann als „risikolose Geschäftsoptimierung“ für Ihre Bank?

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admin am 27. Mai 2009 in Aktuelles