Monatsarchiv für September 2011

Nachhaltige Geldanlage – mehr als eine Moderscheinung – 20.09.2011 – 2


Das Etikett macht noch keinen Inhalt
Aktuelle Werbe- und PR-Strategien färben viele Firmen und deren Produkte sowie Institutionen und deren Handeln grün und gehen dabei auch mit dem Attribut „nachhaltig“ großzügig um. Doch nicht überall wo nachhaltig draufsteht ist auch nachhaltig drin. Seit geraumer Zeit hat die Finanzbranche das Bedürfnis vieler Menschen, ihr Geld sinnvoll anzulegen, erkannt und geht mit dazu passenden Angeboten von Finanzprodukten darauf ein. Welche Phänomene es dabei zu besichtigen gibt und wie man die Spreu vom Weizen trennen kann, damit befassen wir uns im Folgenden.

Nachhaltige Geldanlagen finden
„Nachhaltige Geldanlage – ökologisch, ethisch und sozial investieren“ lautet der Titel eines Seminars, das Ernst Rudolf anbietet und beispielsweise an den Volkshochschulen in Mainz und Wiesbaden erfolgreich hält. Rudolf, der auch Manager eines Nachhaltigkeitsfonds ist, nutzt vier wichtige Kategorien, um aus dem gigantischen Angebot an Finanztiteln wirklich nachhaltige und davon wiederum die besten herauszufiltern:

Ernst Rudolf

Ernst Rudolf

1. Best-in-class-Ansatz: Es gibt keine Ausschlusskriterien weder für Branchen noch Produkte. Stattdessen geht man mit dem Ziel in den Markt, in Firmen zu investieren, die innerhalb ihrer Branche ökologische oder ethische Standards am besten erfüllen.
Ernst Rudolf: Diese Methode ist nur bedingt geeignet, um echte nachhaltige Geldanlagen zu finden. Es ist im Gegenteil sogar möglich, dass Firmen ins Portfolio von Umweltfonds gelangen, die in einer Branche von Umweltverschmutzern noch die saubersten sind. Andererseits spielen auch ökonomische Faktoren eine wichtige Rolle. Deshalb kann es sinnvoll sein, beispielsweise in eine Autofirma zu investieren, die sich ökologisch ausrichtet und Autos baut, die wenig bis keinen fossilen Brennstoff verbrauchen. Zum Herausfiltern solcher Unternehmen ist der Best-in-class-Ansatz durchaus geeignet.
2. Themenorientierte Auswahl: Man investiert in Titel oder Themenfonds von Branchen, die dem Thema Nachhaltigkeit nahe stehen, beispielsweise in Erneuerbare Energien, Wasser und Wasseraufbereitung oder Abfallentsorgung.
Ernst Rudolf: In solchen Fonds sind oft kleinere und mittlere Firmenwerte enthalten, die erheblich schwanken. Um diese Schwankungen in den Griff zu bekommen, bedarf es einer richtigen Gewichtung der Fonds in passender Kombination mit weniger schwankenden Titeln, beispielsweise aus dem Bereich Mikrofinanz.
3. Negativ-/Ausschluss-Kriterien: Investitionen in Unternehmen bestimmter Branchen, Hersteller bestimmter Produkte und/oder Anwender bestimmter Produktionsverfahren, die den Kriterien der Nachhaltigkeit nicht genügen, sind ausgeschlossen. Typische Ausschlusskriterien in Stichwörtern: Alkohol, Glücksspiel, Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Pornographie, Menschenrechtsverletzungen, Rüstungsindustrie, Diskriminierung von Minderheiten, Atomindustrie, Tabakindustrie, Chlorchemie, Gentechnologie, Tierversuche.
Ernst Rudolf: Negativkriterien kommen im Zuge der Auswahl nachhaltiger Geldanlagen am häufigsten zum Einsatz. Sie sind ein effektives Instrumentarium für Anleger, die nach dem Wahlspruch vorgehen „Ich möchte mein Geld investieren, aber auf jeden Fall verhindern, dass davon Firmen/Branchen profitieren, deren Tun Schäden für Umwelt und Gesellschaft mit sich bringen.
4. Positiv-Kriterien/-Auswahl: Investitionen finden statt in Firmen und Branchen, die Kriterien der Nachhaltigkeit genügen. Sie bieten dazu passende Produkte oder Dienstleistungen an und nutzen dafür akzeptierte Produktionsverfahren, in der Regel per Selbstverpflichtung oder sich einer Norm unterwerfend.
Ernst Rudolf: Im Gegensatz zu den Negativ-Kriterien bietet die Positiv-Auswahl Gestaltungsmöglichkeiten und schlägt die Richtung des Einfluss-Nehmens auf die Wirtschaft durch gezieltes Investieren ein. Als Fondsmanager beispielsweise berücksichtigen wir bei der Auswahl nicht nur ökologische, sondern auch soziale und ethische Aspekte. Die Zielinvestments müssen zu einem messbaren Mehrwert für die Gesellschaft führen. Dies können auch innovative Materialien sein, die auf der Basis nachwachsender Rohstoffe produziert werden, den weltweiten Schlüsselindustrien zu einem Innovationsschub verhelfen und so die globale Ressourcenverknappung bewältigen. Es geht also darum, die besten Fonds und Einzeltitel unter Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und ethischen Aspekten herauszufiltern. Wir suchen gezielt nach Perlen, die heute oder in naher Zukunft zu den Besten in ihrem Segment gehören.

Mit Nachhaltiger Geldanlage Einfluss nehmen
Nachhaltige Geldanlage bietet die Möglichkeit, Einfluss auf Firmen und Branchen und damit auf die Wirtschaft zu nehmen – zum Schutz der Umwelt und zum Schutz des Menschen. Zwar ist die Wirkung zurzeit noch theoretisch, das heißt, mit wissenschaftlichen Methoden nicht nachweisbar, was am im Vergleich zum übrigen Finanzmarkt geringen Umsatzvolumen liegt. Doch schon aus der Summe der einzelnen Anleger ergibt sich eine beträchtliche Wirkung, die verstärkt wird, wenn nachhaltige Investmentfonds, in denen sich Geld und Anteile bündeln, ihre Interessen geltend machen, beispielsweise auf Aktionärsversammlungen oder durch das Einrichten von Ethikbeiräten. Oft sprechen Fondsmanager Firmen darauf an, inwieweit sie soziale und ethische Kriterien bereits erfüllen, oder sie legen ihnen nahe, es zu tun.
In einem expandierenden Markt Nachhaltiger Geldanlage nimmt die Transparenz wirtschaftlichen Handelns mehr und mehr zu. Eine steigende Anzahl von Spezialisten durchleuchtet Branchen und Unternehmen, inwieweit sie Nachhaltigkeitskriterien erfüllen und erstellt Expertisen, in welche Finanztitel und/oder Fonds auf keinen Fall investiert werden sollte. Gleichzeitig finden Recherchen nach Positivkriterien statt, die zu entsprechenden Anlage-Empfehlungen führen.

Verantwortung für die Zukunft
Die Prognosen für die Zukunft unseres Planeten sind beunruhigend. Nachhaltigkeit tut Not – lokal, regional und weltweit. Immer mehr Anleger legen weniger Wert auf eine überschießende Rendite, stattdessen möchten sie ihr Geld sinnvoll einsetzen. Nachhaltige Geldanlage bietet dafür die Möglichkeit. Ob unsere Generation es noch schaffen wird, die Erde besser zu hinterlassen als sie sie vorgefunden hat, muss bezweifelt werden. Den ersten Schritt in die richtige Richtung jedoch kann man jederzeit tun.

Nachhaltigkeit, das sind also nicht nur Solaranlagen und Erdwärmepumpen, sondern dahinter steht eine Geisteshaltung, die im Zuge des Wirtschaftens und der Nutzung von Ressourcen das Bewahren und den Erhalt des Wertvollen für kommende Generationen zur Bedingung macht und dafür Sorge trägt, dass weder Mensch noch Tier noch Umwelt ausgebeutet werden.
Nachhaltige Geldanlage „bedient“ das gesamte Spektrum von der ökologischen über die ökonomische bis zur sozialen Nachhaltigkeit und bedeutet
– in Unternehmen und Branchen zu investieren, die bessere Chancen haben, längerfristig stabil zu wachsen;
– in Unternehmen und Branchen zu investieren, die dazu beitragen, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten und zu verbessern;
– verantwortungsbewusstes Handeln und innovative Lösungen zu unterstützen, die einen ökologisch notwendigen und ökonomisch sinnvollen Wirtschaftswandel herbeiführen.

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admin am 20. September 2011 in Aktuelles

Nachhaltige Geldanlage – mehr als eine Moderscheinung – 20.09.2011 – 1


Sinnvoll investieren
Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wird mittlerweile in vielen Bereichen unseres Lebens verwendet; auch in der Geldanlage hat er Einzug gehalten. Das ist kein Wunder, denn vielen Menschen genügt es heute nicht mehr, ihr Geld einfach zu vermehren, sie wollen stattdessen sinnvoll investieren, also in Firmen und Anlagen, die der Gesellschaft einen Nutzen bringen. Im Gegenzug ist es ihnen wichtig, dass ihr Erspartes nicht dazu verwendet wird, um Profite zu ermöglichen, die beispielsweise mit Umweltschäden oder Misshandlung von Menschen teuer erkauft würden.

Was man unter Nachhaltigkeit versteht
Rein auf den Wortstamm reduziert steht „Nachhaltigkeit“ dafür, dass etwas lange (nachdem es in die Welt gesetzt wurde immer noch) hält. Die Definition des Begriffes jedoch stammt aus der Forstwirtschaft, wo sie zu Beginn des 18. Jahrhunderts zum ersten Mal formuliert wurde. Unter „Nachhaltigkeit der Nutzung“ eines Waldes versteht man seitdem eine Bewirtschaftungsweise, die dafür sorgt, dass immer nur so viel Holz entnommen wird wie nachwachsen und der Bestand sich auf natürliche Weise erholen kann. Dieses Prinzip wurde im Zuge eines weltweiten gesellschaftlichen Prozesses – beginnend in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und bis heute andauernd – übertragen auf das Konzept der Nachhaltigkeit für die Nutzung jeglicher regenerierbarer Systeme. Sie bleiben unter nachhaltigen Bedingungen in ihren wesentlichen Eigenschaften erhalten.

Nachhaltigkeit – ein Konzept für Mensch, Gesellschaft und Umwelt
Im Jahr 1972 veröffentlichte der Club of Rome seinen legendären Bericht „Die Grenzen des Wachstums“, in dem zum ersten Mal das Wort „sustainable“ (heute mit „nachhaltig“ übersetzt, entsprechend „Sustainability“ mit „Nachhaltigkeit“) im weiteren Sinne für einen Zustand des globalen Gleichgewichts verwendet wurde.
Im Zuge der internationalen Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik entwickelte man in den folgenden Jahren und Jahrzehnten Ideen und Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung der Erde und ihrer Bewohner. Drei Komponenten der Nachhaltigkeit schälten sich heraus:
1: Ökologische Nachhaltigkeit: Natur und Umwelt für kommende Generationen erhalten.
2. Ökonomische Nachhaltigkeit: eine Wirtschaftsweise, die dauerhaft eine tragfähige Grundlage für Erwerb und Wohlstand bietet. Wirtschaftliche Ressourcen werden vor Ausbeutung geschützt.
3. Soziale Nachhaltigkeit: die Entwicklung einer Gesellschaft, die die Teilnahme aller ihrer Mitglieder möglich macht und mit dem Ausgleich sozialer Kräfte eine auf Dauer lebenswerte Gesellschaft erreicht.

Kriterien nachhaltiger Entwicklung
Nachhaltige Entwicklung kann und muss auf allen möglichen und sinnvollen Ebenen in die Tat umgesetzt werden und damit lokal, regional, national und weltweit. Ein Beispiel: Praktische Ansätze für das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung in produzierenden Unternehmen liefert das Prinzip der „Cleaner Production“. Es legt genauso Wert auf die Beschränkung des betrieblichen Energieeinsatzes wie auf den Einsatz erneuerbarer Ressourcen, das Minimieren des Wasserverbrauchs und des entstehenden Abfalls.

Die von den Vereinten Nationen mit dem Auftrag langfristige Perspektiven für eine Entwicklungspolitik aufzuzeigen eingesetzte Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission) definierte in ihrem Abschlussbericht von 1987 nachhaltige Entwicklung folgendermaßen: „Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können.“ (Quelle: wikipedia)

Das bedeutet in der Konsequenz: Tatsächliche nachhaltige Entwicklung setzt Grenzen und macht Beschränkungen notwendig.

Bernd Klauer ordnete den mit den Jahren entstandenen Definitionswildwuchs in seinem Buch „Was ist Nachhaltigkeit?“, indem er schrieb:
„Die Gemeinsamkeit aller Nachhaltigkeitsdefinitionen ist der Erhalt eines Systems bzw. bestimmter Charakteristika eines Systems, sei es die Produktionskapazität des sozialen Systems oder des lebenserhaltenden ökologischen Systems. Es soll also immer etwas bewahrt werden zum Wohl der zukünftigen Generationen.“ (Quelle: wikipedia)

Zum zweiten Teil … hier

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admin am 20. September 2011 in Aktuelles