Monatsarchiv für September 2012

Wenn es Anlegerschutz gäbe – 04.09.2012 – 3


Der Kollaps des bestehenden Systems – eine Hoffnung
Was aber wäre, wenn es per Gesetz effektiven Anlegerschutz gäbe, wenn Hochrisikoprodukte nur von unabhängigen und staatlich zertifizierten Finanzberatern „verschrieben“ werden dürften, die für diese Beratung ein Honorar erhalten, wenn Provisionen bedingungslos offengelegt werden müssten, wenn es eine effektive Kontrolle der Finanzindustrie, der Banken und Kapitalanlagegesellschaften gäbe?

Dann hätte das Bundesverbraucherministerium, gemeinsam mit dem Bundesfinanz- und dem Bundeswirtschaftsministerium eine seiner Aufgabe erfüllt. Dann wären die Finanztest- und Finanzberatungsabteilungen der Verbraucherschutzorganisationen überflüssig, dann stünde darüber nichts mehr in den Zeitungen und Online-Medien.

Das wäre gut für die Anleger. Aber das wäre nicht „gut“ für diejenigen, die zurzeit ihr Geld in den Finanzabteilungen der Verbraucherschutzorganisationen verdienen.

Ausblick 1: weiter wie bisher
An einem echten Systemwechsel in der Geldanlage sind die Banken – mit ihrer Macht bis hinein in die Politik – sowieso, aber auch die Verbraucherschutzorganisationen nicht wirklich interessiert. Wer macht sich selbst schon gerne überflüssig? Denn genauso wie die Polizei auf die Kriminalität, die Ärzte auf die Kranken und die Kirche auf die Ungläubigen angewiesen ist (siehe Teil 1), brauchen die Finanzabteilungen der Verbraucherschützer das anlegerschädliche Verhalten der Banken.

Für die kommenden Jahre ist davon auszugehen, dass es der Finanzlobby durch ihren Einfluss auf die Politik weiter gelingen wird, effektiven Anlegerschutz zu verhindern. Die Politik wird sich weiter PR-Instrumente wie die Verbraucherorganisationen halten, die suggerieren, dass an Missständen gearbeitet würde.

Ausblick 2: Ausbruch aus dem System durch unabhängige, qualifizierte und ergebnisoffene Beratung
Und was bleibt dem Anleger? Ihm bleibt der Weg zu einem von Banken, Kapitalanlagegesellschaften und Versicherungsgesellschaften unabhängigen und durch eine angemessene Ausbildung – Fachwirt für Finanzberatung (IHK), Finanzökonom (ebs), Finanzfachwirt (FH), Finanzplaner (CFP) qualifizierten Finanzberater, dem er für eine ergebnisoffene Beratung ein Honorar zahlt.

Ergebnisoffen ist eine Beratung dann, wenn sie kein Produkt vertreiben oder das vom Kunden erwartete Ergebnis bestätigen will, sondern dem Anspruch folgt, das Anliegen des Mandanten objektiv richtig und subjektiv zutreffend zu würdigen. Im Zuge dieser Beratung analysiert der Experte gemeinsam mit seinem Kunden alle wesentlichen Aspekte dessen persönlicher Situation sowie dessen Ziele und Ansprüche, gibt danach konkrete Empfehlungen und beschreibt zum Abschluss deren Chancen und Risiken.

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admin am 04. September 2012 in Aktuelles

Wenn es Anlegerschutz gäbe – 04.09.2012 – 2


Verbraucherschützer heben den Zeigefinger
Die Verbraucherzentrale wiederum – ein eingetragener Verein, der sich nach eigenen Angaben zu 85 % aus dem Haushalt des Bundesverbraucherministeriums finanziert – hat seit 2008 den Bereich Finanzberatung ausgebaut, in der Bundeszentrale und den Landesverbänden. Dort macht sie beispielsweise mit Ratschlägen wie „… unterschreiben Sie nur, was sie verstehen“ (Und wie legt jemand an, der keines der von den Banken, Kapitalanlagegesellschaften und Versicherungsgesellschaften bewusst komplex und kompliziert gehaltenen Finanzprodukte versteht?) oder „Man sollte sich den Immobilienmarkt genau anschauen“ auf sich aufmerksam.

Die Stiftung Warentest, eine mit Steuermitteln alimentierte Verbraucherorganisation, schickt von Zeit zu Zeit aus ihrer Abteilung Finanztest heraus Personen in Deutschlands Banken. Die kehren regelmäßig mit einer „… Stimmung zwischen Unglaube und Wut“ aus den Filialen zurück; zuletzt im Mai dieses Jahres, als sie der Kreditberatung in Filialbanken die Note „katastrophal“ vergaben, was sie im eigenen Printmedium aber auch per Pressemitteilung die Öffentlichkeit wissen ließen.

Die Medien schließen den Kreis
Mit der Zeitschrift Finanztest sind wir bei den Medien angelangt. Regionale und überregionale Tageszeitungen berichten regelmäßig über das Thema Anlegerschutz – im Rhythmus der Veröffentlichungen von Finanztest und der Pressemitteilungen der Verbraucherzentralen. Im Zuge dessen kommen die Finanzexperten der Verbraucherzentralen zu Wort und geben gute bis gut gemeinte Ratschläge.
Für einen Journalisten ist in Sachen Geldanlage die Bezugnahme auf Verbraucherorganisationen ideal. Er hat sich damit „die Guten“ ins Medium geholt, das Thema ist behandelt und veröffentlicht und morgen sowieso ein anderer Tag.

Der Reigen des Versagens
Fassen wir zusammen: Die Finanzindustrie misshandelt Anleger zur eigenen Profitmaximierung. Das Verbraucherministerium kündigt Anlegerschutz an, setzt ihn aber nicht oder nicht effektiv in die Tat um. Dabei wird es von Verbraucherschutzorganisationen beobachtet und dafür kritisiert, die es selbst bezahlt. Die Verbraucherschutzorganisationen leisten für ihre Legitimation zumindest gute Pressearbeit.

Und was bringt das alles bislang für den Anleger? Zugegeben, eine rhetorische Frage. Sie soll aber an dieser Stelle beantwortet werden: NICHTS!

Zum dritten Teil geht es hier …

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admin am 04. September 2012 in Aktuelles

Wenn es Anlegerschutz gäbe – 04.09.2012 – 1


Die Verschwendungsmaschine
Vor kurzem fasste die Süddeutsche Zeitung das Sportfördersystem in Deutschland unter der Überschrift „Die Verschwendungsmaschine“ zusammen.
Dazu die SZ: „Für das Fördersystem ist es paradoxerweise funktional, viel Zeit und hohe Kosten bei den Athleten zu verursachen, damit die Athleten Hilfe vom System brauchen. Nach demselben Muster ist die Polizei auf die Kriminalität angewiesen, die Ärzte auf die Kranken. Und die Kirche auf die Ungläubigen.“

Wer schützt die Anleger?
Was das alles mit Geldanlage zu tun hat? Oder gar mit Anlegerschutz?
Nun, seit der Finanzkrise, also in den vergangenen vier Jahren, ist immer mehr Menschen ins Bewusstsein gedrungen, dass Banken nicht darauf aus sind, das Beste für ihre Kunden, sondern für ihren Profit zu tun, dass Bankberater nicht beraten, sondern verkaufen, und dass das ganze Marketing- und Vertriebssystem der Finanzbranche darauf ausgerichtet ist, Beratung zu suggerieren, tatsächlich aber den Gewinn zu maximieren.

Aber zum Glück für den Verbraucher – und damit auch für den Anleger – gibt es ja das Verbraucherschutzministerium! Und es gibt die Verbraucherzentrale – bundesweit und in jedem Bundesland!

Das Bundesverbraucherministerium schützt die Anleger nicht
Das Bundesverbraucherministerium kündigt – mittlerweile seit Jahren – grundlegende Änderungen in der Anlageberatung zugunsten der Anleger an. Und seit Jahren bleibt es bei der Ankündigung.
Eingeführt wurden der sogenannte Beipackzettel zum Finanzprodukt sowie das Beratungsprotokoll – beide in der Zwischenzeit als für den Anleger nutzlos erkannt und beurteilt, auch von der Verbraucherzentrale.

Zum zweiten Teil geht es hier …

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admin am 04. September 2012 in Aktuelles