Gehen oder bleiben? Bleiben, aber richtig! – 17.3.2017


Zunehmende Trennschärfe

Die Finanzdienstleistungsbranche befindet sich in einem erheblichen Umbruch. Deshalb hatte der Finanzplaner Deutschland – Bundesverband e. V. mit „Bleibst Du noch? Oder gehst Du schon?“ für seinen 20. Akademietag, der am gestrigen Donnerstag in Frankfurt stattfand, einen bewusst provokanten Titel gewählt. Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet beleuchteten einen Tag lang den aktuellen Stand der Gesetzgebung, berieten sich daraus ergebende Bewegungsspielräume und diskutierten Zukunftsperspektiven.

Der Gesetzgeber trennt in der Finanzbranche immer klarer zwischen Vermittlern von Anlageprodukten, Krediten und Versicherungen, die dafür eine Provision erhalten, und Beratern, die von ihren Kunden ausschließlich für ihre Beratungsdienstleistung bezahlt werden. Wesentliche Gründe dafür: Die Menschen wenden sich an einen Finanzfachmann, um im Sinne ihrer Geldangelegenheiten bestmöglich beraten zu werden. Sie geraten aber im Regelfall an einen provisionsgetriebenen Vermittler, der sich trotzdem Berater nennt. Rein faktisch aber sind Bank-, Anlage- und Kreditberater allesamt Geldanlagevermittler und damit Bankprodukteverkäufer. Dieses im Grunde Vortäuschen falscher Tatsachen ändert der Gesetzgeber gerade.

Honorar oder Provision
Vorgesehen ist, dass man sich nur noch unabhängiger Berater nennen darf, wenn man keinerlei Anlageprodukte verkauft, respektive von Produkteanbietern keinerlei Provisionen bekommt. Das hat für freie und unabhängige Finanzberater, die bislang Produkte vieler unterschiedlicher Kapitalanlagegesellschaften angeboten haben, einschneidende Konsequenzen. Sie müssen sich jetzt fragen und in der Konsequenz entscheiden, ob sie nur noch gegen Honorar beraten oder nur noch Vermittler gegen Provision sein wollen. Dazwischen wird es nichts mehr geben.

Abstimmen werden die Kunden, und zwar mit den Füßen. Für Anleger ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich von einem unabhängigen Berater produktneutral und objektiv informieren zu lassen. Das kostet zwar ein Honorar, das aber durch die hohe Qualität der Beratung und das damit verbundene Sparen von Vertriebskosten mehr als wettgemacht wird. Der Berater kann nämlich die Produkte, für die sich sein Kunde entschieden hat, vertriebskostenfrei besorgen. Vertriebskostenfrei heißt frei von den Provisionen, die sonst die Bank bekommen hätte oder die sich Bank und Vermittler geteilt hätten.

Von der Beratung zur Betreuung
Im Bereich Großkunden ist es schon lange üblich, sich an einen Berater zu wenden, der gegen Rechnung den optimalen Umgang mit dem jeweiligen Finanzprojekt empfiehlt. Aufgrund leistungsfähiger EDV und effektiverer Informationsbeschaffung stehen diese Vorteile mittlerweile einer wesentlich größeren Zahl an Kunden offen. In der Geldanlage führt dies in der Regel von einer einmaligen unabhängigen Beratung zu einer konstanten, fairen und transparenten Betreuung. Was sich jeder Anleger wünscht, wird endlich Realität.

Der Finanzberater als Unternehmer
Die Veranstaltung wurde geprägt von mehreren professionell aufbereiteten Vorträgen, allesamt gehalten von erfahrenen Experten des Finanzplaner Deutschland – Bundesverband e. V. Sie vermittelten den Teilnehmern präzise Informationen, was der Gesetzgeber in Zukunft von einem unabhängigen Berater oder einem Vermittler/Verkäufer von Finanzprodukten verlangt. Ernst Rudolf übernahm in der Rubrik Der Finanzberater als Unternehmer den Bereich Geldanlage und gab einen Ausblick, inwieweit unterschiedliche Geschäftsmodelle in der Zukunft noch überlebensfähig sind, respektive, wie man Geschäftsmodelle dem Gesetz anpassen muss, damit sie zukunftsfähig sind. Denn dass freie Finanzberater in der Branche als Unternehmer bestehen, ist einerseits wichtig in deren eigenem Interesse, aber in Anbetracht des gerade beginnenden Sterbens der Bankfilialen auch im Interesse der Kunden. Deshalb gilt: Bleiben, aber richtig!

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admin am März 17th 2017 in Veranstaltungen

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